Der Dao Zhi Laien-Orden

Der Dao Zhi Laien-Orden besteht aus Personen, die den Entschluss gefasst haben, sich ernsthaft und kontinuierlich mit ihrer Spiritualität, ihrer inneren Entwicklung und der buddhistischen Lehre auseinandersetzen. Dies spiegelt sich im Namen des Laien-Ordens wieder – Dao-Zhi bedeutet übersetzt: Mit festem Wille den Weg beschreiten – den Weg der Befreiung, des Verständnisses und des Mitgefühls.

Während buddhistische Nonnen und Mönche, die ebenfalls den Weg der Befreiung beschreiten, sich ganz von weltlichen, beruflichen und familiären Verpflichtungen gelöst haben, üben Mitglieder des Dao Zhi Laien-Ordens den buddhistischen Weg in der Gesellschaft, im Zuhause, in der Familie, in der Partnerschaft und im Beruf.

Vimalakīrti und Hui Neng – Bedeutende buddhistische Laien-Vorbilder

Es gibt eine Vielzahl erwähnenswerter buddhistischer Laien-Praktizierende, die seit Buddhas Lebzeiten bis heute in allen Traditionen als Schülerinnen und Schüler des Buddha neben ihren Verpflichtungen in Familie und Arbeitswelt ihr Herz ganz dem Weg der Befreiung gewidmet haben. In der Tradition des Mahayana Buddhismus werden oft zwei Persönlichkeiten ganz besonders hervorgehoben: Vimalakīrti und Hui Neng.

Vimalakīrti war ein Zeitgenosse Buddhas und wird oft als Verkörperung buddhistischer Tugenden und als idealer, buddhistischer Laien-Praktizierender betrachtet. Vimalakīrti soll ein wohlhabender Unterstützer Buddhas und seiner Gemeinschaft aus Mönchen und Nonnen gewesen sein. Vimalakīrti hat durch eifriges und kontinuierliches Bemühen große Einsichten, großes Mitgefühl und tiefes Verständnis kultiviert – besonders bezüglich der Themen „Leerheit“ und „Non-Dualität“.

Im Vimalakīrti Nirdeśa Sūtra wird beschrieben, wie Vilmalakīrti einigen erleuchteten Mönchen und Nonnen und sogar Bodhisattvas Unterweisungen bezüglich Leerheit und Non-Dualität gab. In seiner Unterweisung nutzte er Schweigen als geschicktes Mittel des Lehrens von Leerheit und Non-Dualität – und wird dadurch als Vorreiter und vorzeitiger Lehrer der später aufkommenden Zen-Tradition betrachtet, in welcher die im Schweigen verweilende, stille Meditation dem vielen Sprechen und Erklären vorgezogen werden sollte.

Hui Neng ist ein weiterer, sehr bekannter und bedeutender Laien-Praktizierender des Mahayana-Buddhismus gewesen. Er soll ein ungebildeter Laie im China des 7. Jahrhunderts gewesen sein, der eines Tages ein plötzliches Erlebnis des Erwachens hatte, als er im Vorbeigehen einer Rezitation des Diamant-Sutras lauschte. Im Zuge dieser Erfahrung zog Hui Neng in das Kloster des 5. Patriarchen der Zen-Tradition. Nach viel harter Küchenarbeit und kontinuierlicher Übung, wurde Hui Neng dort durch den 5. Patriarchen zu dessen Nachfolger ernannt – dem 6. Patriarchen der chinesischen Zen-Tradition. Heute gilt Hui Neng als eine der zentralsten und wichtigsten Figuren der gesamten Zen-Tradition.

Vimalakīrti und Hui Neng haben gemeinsam, dass sie mit großer Willenskraft, Klarheit, und unermüdlichem Üben ihren Weg gingen und ihr großes Ziel der Befreiung zum Wohle aller Wesen niemals aus den Augen verloren. Ebenso gilt es für die Praktizierenden des Dao Zhi Laien-Ordens, mit einem entschlossenen, mitfühlenden und tief schauenden Herzen sich auf ihren Weg zur Befreiung zu begeben.

Der Weg des Bodhisattva

Den Weg, den alle buddhistischen Praktizierende des Mahayana Buddhismus – egal ob Mönch, Nonne oder Laie – anstreben und kultivieren, ist der Weg eines Bodhisattvas. Stark vereinfacht, kann ein Bodhisattva als ein Wesen betrachtet werden, welches die eigene Befreiung und Erleuchtung zum Wohle anderer Wesen zurückstellt. Man übt und kultiviert den Weg solange, bis nur noch ein letzter Schritt nötig ist, um Erleuchtung und Befreiung zu realisieren. Und mit großem Mitgefühl und mit der Weisheit bezüglich der Stufen zur Erleuchtung, hilft ein Bodhisattva anderen, noch nach Freiheit und Befreiung suchenden Wesen, diesen Weg zu beschreiten.

Das Bodhisattva-Ideal kann anhand eines einfachen Beispiels verbildlicht werden: Ein Mensch, der sich in der Wüste verlaufen hat und selbst stark unter Hitze und Durst leidet, wandert umher und sucht und sucht nach einer Oase, die für ihn die Befreiung von seinem Leid bedeuten würde. Nach langer Suche und Anstrengung findet er endlich eine Oase. Dort könnte er sich nun zur Ruhe setzen. Doch er beschließt, in die Wüste zurück zu kehren, um den dort noch suchenden und leidenden Lebewesen den Weg zur Oase zu erklären.

Gründung und Bedeutung des Dao Zhi Weges

Thay Thien Son hat mit der Gründung des Dao Zhi Laien-Ordens einen Rahmen geschaffen, in dem Spiritualität, innere Entwicklung und die Kultivierung des Bodhisattva-Weges – auch ohne Ordination als Nonne oder Mönch – zentrale Bestandteile des Lebens sein können. Thay Thien Son – Gründer des Laien-Ordens und erfahrener Dharma-Lehrer – unterstützt und begleitet die innere Entwicklung und das geistige Training der Dao Zhi Laien-Praktizierenden während ihrer Zeit im Orden.

Neben ihrer individuellen inneren Arbeit – dem schrittweisen Auflösen von Anhaftungen an unheilsame Gewohnheiten und Verhaltensmuster – befassen sich Dao Zhi Praktizierende auch intensiv mit der Lehre Buddhas und setzen sich zum Ziel Gier, Hass und Unwissenheit in ihrem Herzen und in ihrem Leben zu überwinden.

Getragen und genährt wird die spirituelle und innere Entwicklung der Dao Zhi Praktizierenden durch Impulse und Austausch ihres Meisters Thay Thien Son, durch die Gemeinschaftsenergie der Gruppe, durch die Teilnahme an Zen-Kursen und durch das Vertiefen ihres Verständnisses der buddhistischen Lehre.

Aufnahme und Inhalte des Dao Zhi Weges

Wer sich dazu entschließt, den Dao Zhi Weg zu gehen, formuliert zunächst in einem persönlichen Brief an Thay Thien Son die dem Entschluss zugrundeliegende Motivation und Intention. Ist die Motivation der Anfragenden Person heilsam und ernsthaft, wird sie im Rahmen einer offiziellen Aufnahme-Zeremonie durch Thay Thien Son in den Orden aufgenommen.

In seltenen Fällen kann es sein, dass die Aufnahme in den Orden der inneren Entwicklung der anfragenden Person eher im Wege stehen könnte. In diesen Fällen bietet Thay Thien Son stets an, sich gemeinsam mit alternativen Übungsmöglichkeiten, Kursen oder Impulsen für den persönlichen weiteren Weg auseinanderzusetzen.

Die Aufnahme in den Laien-Orden setzt die Aufnahme der 5 Achtsamkeits-Übungen und der Bodhisattva-Gelübde voraus: Diese Übungen und Gelübde sind Übungen der Achtsamkeit und des Mitgefühls, die unheilsamen, Leid verursachenden Elemente unserer Handlungen (körperlich, sprachlich, geistig) zu erkennen und aufzulösen. Sich die großen Bodhisattvas als Vorbild nehmend, sind Dao Zhi Praktizierende fest entschlossen, sich auf den langen und großen Weg der Befreiung zum Wohle aller Wesen zu machen – auch wenn dieser ein langer und streckenweise schwieriger Weg ist.

Externer und Interner Dao Zhi – Zwei Wege der Praxis

Es gibt zwei verschiedene Dao Zhi Wege, für die man sich entscheiden kann: Der Weg eines internen Dao Zhis im Kloster Buddhas Weg und der Weg eines externen Dao Zhis der zu Hause im Rahmen seines üblichen Alltages lebt und übt.

Externe Dao Zhis führen neben der buddhistischen Praxis ihr normales Leben verantwortungsbewusst und im Rahmen ihres üblichen Alltages zuhause weiter. Sie praktizieren täglich zu geregelten Zeiten in ihrem Zuhause. Mindestens einmal im Monat treffen sie sich gemeinsam mit den anderen externen und internen Dao Zhis und mit ihrem Meister Thay Thien Son, um sich auszutauschen und unter Anleitung des Lehrers ihre innere Arbeit zu reflektieren. Sie unterstützen das Kloster durch regelmäßigen Helfereinsatz.

Interne Dao Zhis entscheiden sich dafür, mindestens ein Jahr im Kloster Buddhas Weg als praktizierender, buddhistischer Laie zu leben. Während dieses Jahres im Kloster wird der Ort durch tatkräftige Mitarbeit unterstützt. Praktiziert wird täglich gemeinsam mit den Mönchen und Nonnen. Verantwortungsbewusst und sich selbst mit Körper, Sprache und Geist heilsam einbringend leben interne Dao Zhis als ständiger Teil der Hausgemeinschaft Buddhas Weg. Der Aufenthalt als interner Dao Zhi Praktizierender setzt ein stark vereinfachtes Leben voraus – dies dient als Übung, das Ego Schritt für Schritt minimieren und das wahre Ich erkennen zu können. Nach einem Jahr als Dao Zhi steht es der Person frei, aus dem Orden auszutreten oder als externer Dao Zhi  wieder in den weltlichen Rahmen, die Familie und den Beruf zu gehen, oder den Aufenthalt noch einmal zu verlängern.

Für externe und interne Dao Zhis gleichermaßen gilt, dass sie ihren Lebensstil vereinfachen und von Anhaftungen und unnötigen Komplikationen befreien. Äußerlich spiegeln dies die einfachen, oft kurzen Haarschnitte und die im Kloster zu tragende braune Arbeitsrobe wieder – die Arbeitsrobe wird bei der Aufnahmezeremonie jedem Dao Zhi übergeben. Ebenfalls üben sich alle Dao Zhis gleichermaßen darin, auf berauschende Mitteln wie Alkohol und Drogen zu verzichten und eine vegetarische Ernährung einzuhalten.